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100 Jahre DRK

100 Jahre DRK Bergisch Gladbach

D I E W U R Z E L N

Am Anfang war Solferino, eine Gemeinde in der italienischen Provinz Mantus, südlich
des Gardassees. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sie kaum 2000
Einwohner. Aber ihr Name wurde zum Fanal rund um die Welt.

Auf dem Schlachtfeld nahe dem kleinen Ort geschah am 24. Juni 1859 ein kriegerisches
Gemetzel. Mehr als 50.000 Gefallene innerhalb von 24 Stunden kostete der Sieg eines
Heeres aus Franzosen und Piemontesern und Napoleon III. über die Österreicher unter
Franz Joseph I., der bei Solferino selbst den Oberbefehl führte. Zu dem Konflikt
zwischen Österreich und dem Königreich Italien war es gekommen, weil Italien
Anspruch erhob auf ein Gebiet, das sich zu dieser Zeit im Besitz des österreichischen
Kaiserreichs befand.

Ein junger Mann wurde Augenzeuge der Schlacht, einer der blutigesten des an Kriegen
reichen 19. Jahrhunderts: Henry Dunant, am 8. Mai 1828 in Genf geboren. Er war
aufgewachsen als Sohn eines erfolgreichen Kaufmanns in der französischen Schweiz.
Vater und Mutter erzogen ihn im Geist der calvinistischen Frömmigkeit, nach der das
durch Gottes Güte erworbene Vermögen dazu verpflichtete, den Schwachen in der
Gesellschaft Hilfe und Fürsorge zuzuwenden.

Die Eltern nahmen schon das Kind mit zu ihren Besuchen der Barmherzigkeit in
Elendsvierteln, Gefängnissen, zu Armen, Kranken und Leidenden. Der junge Dunant
hatte schon 1849 in Genf den CVJM, Christlicher Verein junger Männer, gegründet,
war 1855 Mitbegründer des Weltbundes der CVJM (YMCA) in Paris und bildete sich
gleichzeitig im Kaufmanns- und Bankwesen aus, um Unternehmer zu werden. Als er –
wie es heißt, „noch im weißen Reiseanzug“ – in sternklarer Nacht das Grauen auf dem
Schlachtfeld erlebte, das Schreien und Stöhnen der Verwundeten über die Stille der
Toten hinweg, versuchte er es selbst und holte Menschen herbei, um sie zu bergen und
Hilfe zu leisten.

Mit seinem Buch „ Eine Erinnerung an Solferino“ begann er, wichtige Persönlichkeiten
in ganz Europa zu gewinnen für eine völkerrechtliche „Humanisierung des Krieges“.
Seine Initiative löste eine Wende aus. 1863 begann ein Komitee von fünf Schweizern
entsprechende völkerrechtliche Vereinbarungen vorzubereiten, wobei Preußen eine
wichtige Rolle spielte. Schon im August 1864 konnte die (I.) „Genfer Konvention“
beschlossen werden.

Henry Dunant setzte in der Folgezeit sein ganzes Vermögen ein, um immer mehr
Staaten für seine Ideen zu gewinnen. Er selbst geriet darüber in großes Elend und wurde
eher zufällig in einem schweizer Armenspital wiederentdeckt, als die Welt ihn schon
gestorben glaubte. Als 1901 zum ersten Mal überhaupt der Nobelpreis vergeben wurde,
bei dem auch der gebürtige bergische (Lennep) Wilhelm Konrad Röntgen (1845-1923)
für die Entdeckung der X-Strahlen (1895) ausgezeichnet wurde (Physik-Preis), wurde
Henry Dunant der Friedens-Nobelpreis verliehen. Den Geldbetrag stiftete er
wohltätigen Einrichtungen. Er starb – nach wie vor bedürfnis- und vermögenslos – am
30. Oktober 1910 in Heiden am Bodensee/Schweiz. In sein Testament hatte er
geschrieben: Ich bin ein Jünger Christi wie im ersten Jahrhundert.

Aus der Ersten Genfer Konvention hat sich ein eigenes Rechtsgebiet entwickelt –
immer den Erfahrungen angepaßt, die sich aus den folgenden Kriegen mit der weiter
entwickelten Waffentechnik und zum Schutz der Bevölkerung ergaben.

In der Gegenwart ist es immer schwieriger geworden, solche Abkommen verbindliche
zu treffen. Es gibt völlig neue Formen von Konflikten, in denen keine klare Fronten und
Akteure zu erkennen sind. In vielen Regionen brechen die staatlichen Organisationen
zusammen, marodierende Banden verbreiten Terror. Das Prinzip der Neutralität wird
auf harte Proben gestellt, denn selbst die Helfer werden angegriffen!

So ist es heute wieder schwerer geworden, die Menschenrechte zu schützen – nach den
Grundsätzen, denen sich das Rote Kreuz in den 140 Jahren seines Bestehens
verschrieben hat. Das sind:

Menschlichkeit
Wir dienen dem Menschen,
aber keinem System.

Neutralität
Wir ergreifen die Initiative,
aber niemals Partei

Freiwilligkeit
Wir arbeiten rund um die Uhr,
aber nicht in die eigene Tasche.

Unparteilichkeit
Wir helfen jedem
und fragen nicht nach Schuld.

Unabhängigkeit
Wir gehorchen der Not,
aber nicht der Politik.

Einheit
Wir haben viele Talente,
aber nur eine Idee.

Universalität
Wir achten Nationen,
aber keine Grenzen.


Bäume wachsen langsam aber stetig

Der Gedanke des Roten Kreuzes verbreitete sich um die Welt. In der Türkei ist er unter
dem „Roten Halbmond“ verwirklicht, in Japan faßte er Fuß und in China wurde 2004
das 100-Jahr-Jubiläum feierlich begangen. Nach wie vor sitzt in der neutralen Schweiz,
deren Wappen – weißes Kreuz auf rotem Grund – man unter Umkehrung der Farben als
Symbol gewählt hatte, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das in
Genf alle Tätigkeiten bündelt.

In den vielen deutschen Kleinstaaten vor 1871 hatten sich bereits zahlreiche
Rotkreuzgesellschaften gegründet. Sie schlossen sich aber schon 1869 zu einer
Gesamtorganisation der „Deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und
erkrankter Krieger“ zusammen.

Längst geht es nicht mehr nur um die Einsätze auf Kriegsschauplätzen. Die sind die
weiteren Daten der Rotkreuzgeschichte in Deutschland.

1919 Am 05. Mai wird in Paris die Liga der Rotkreuzgesellschaften
(jetzt: Internationale Förderation) als Zusammenschluß der
nationalen Rotkreuzgesellschaften gegründet.

1920 werden die RK-Landesvereine und RK-Landesfrauenvereine zum
Deutschen Roten Kreuz e.V. mit Sitz in Berlin zusammengefaßt.

1937 erfolgt durch die NS-Regierung die Ausrichtung aller DRK-Verbände
in einer einheitlichen Organisation; das DRK verliert alle Wohlfahrts-
einrichtungen und das Jugendrotkreuz.

1945 Auflösung des Deutschen Roten Kreuzes in den Sowjetzone und in den
westlichen Besatzungszonen. Es entstehen aber nach dem Zusammenbruch
bereits neue Landesverbände unter der Aufsicht der Militärregierungen.

1950 Neugründung (4. Februar) des heutigen DRK als Bundesorganisation auf
dem Rittersturz bei Koblenz. Das Generalsekretariat erhält seine Nieder-
lassung am Regierungssitz der 1949 gegründeten Bundesrepublik
Deutschland in Bonn.

1952 Das IKRK in Genf gibt die offizielle Anerkennung des DRK (25. Juni)
und die Wiederaufnahme in die Liga der Rotkreuzgesellschaften (24. Juli)
bekannt.

1952 I.Verordnung (23. Oktober) des Ministerrats der DDR über die Bildung
der Organisation Deutsches Rotes Kreuz.

1954 Anerkennung (9. November) das DRK der DDR durch das internationale
Komitee.

1990 Vertrag (9. November) über die Herstellung der Einheit des DRK. Die
sechs aus dem DRK der DDR neu gebildeten Landesverbände erklären
den Beitritt zum Deutschen Roten Kreuz zum 1. Januar 1991.

1991 Anerkennung (6. März) der Ausdehnung des Deutschen Roten Kreuzes
auf das gesamte Bundesgebiet durch die Bundesregierung und Bestäti-
gung (3. Mai) der Anerkennung durch das IKRK.


Für ganz Deutschland bis 1945 hat das DRK wechselnde Verwaltungszentren:

1921 – 1925 Berlin-Charlottenburg
1925 – 1943 Berlin-Tiergarten
1943 – 1945 Potsdam-Babelsberg

Nach dem zweiten Weltkrieg gründete in der (ebenfalls seit 1949) Deutschen
Demokratischen Republik das Rote Kreuz der DDR (von 1952 bis 1990) seine Zentrale
an der Elbe in Dresden.
Am Rhein in Bonn residiert das DRK von 1950 bis 1954 an drei Adressen. Nach dem
Bau des DRK-Hauses und der Einweihung mit Bundespräsident Theodor Heuss,
Bundestagspräsident Hermann Ehlers. Bundeskanzler Konrad Adenauer, dem britischen
Hochkommisar Sir Frederick Hoyer-Miller, vielen Ministern und Repräsentanten des
öffentlichen Lebens am Geburtstag von Henry Dunant, dem 08. Mai 1954 – befindet sich bis 2001 der Sitz in der Friedrich-Ebert-Allee – seit 2001
wieder in der alt-neuen Hautpstadt Berlin (Steglitz).


100 Jahre Ortsverein in Bergisch Gladbach

100 Jahre im Leben eines Menschen oder einer Organisation: Wie wenige erreichen ein
so hohes Alter! Wem es aber vergönnt ist, der hat es über mehrere Generationen erlebt:
„daß es nämlich ein Aufgabe der Gegenwart gewesen ist, von der Vergangenheit in die
Zukunft den Stab weiterzugeben“.

Das Jahrhundert des Roten Kreuzes in Bergisch Gladbach hat wie so viele
seinesgleichen eine Wurzel; die Sanitätskolonne von 1905, aus der ein Baum
gewachsen ist mit Ästen und Zweigen. Von diesen sind im Lauf der Zeit immer wieder
welche abgestorben, neue haben sich entwickelt; manche davon sind früher oder später
auch verdorrt, andere haben sich üppig ausgebreitet. Wie sehr diese Wachstum in den
unterschiedlichen Bereichen und Epochen jeweils von einzelnen Persönlichkeiten
abhängig ist, zum Blühen gebracht wurde oder aus Mangel an weiterer Förderung
welkte, das spiegelt sich im Auf und Ab des Ortsvereins Bergisch Gladbach wider und
ist besonders in der Festschrift zum 75 jährigen Bestehen herausgestellt worden.


Doch nicht nur vom Einsatz und den Initiativen seiner Mitarbeiter allein ist das
Schicksal gerade des Roten Kreuzes bestimmt gewesen, sondern ganz wesentlich von
der Geschichte und Politik in Deutschland, Europa, ja, der ganzen Welt.
Dementsprechend waren seine Aufgaben in den einzelnen Zeitabschnitten einem
deutlichen Wandel unterworfen, der sich immer bis auf die unterste Ebene auswirkte.
Diese Wechsel, gar Umbrüche, sollen dargestellt werden in der Chronik dieser
Festschrift. Das kann nicht heißen, alle Einzelheiten einer 100jährigen Geschichte
aufzulisten. Aber es sollen die erwähnten Ereignisse anzeigen, welche Schwerpunkte
jeweils von Bedeutung und wie sehr sie eben von äußeren Einflüssen geprägt waren.

Wie also wirkte ein Ortsverein als ein Tropfen im Meer der Zeit oder der Fülle der
Aufgaben –oder wie behauptete er sich dank eigener Ideale, Hingabe und
Entschlußkraft als Träger eines segensreichen Wirkens in der Heimat und in der Welt?


Ein spannendes „Lebensbuch“ wird da aufgeblättert.

„Das Rote Kreuz ist eine Vereinigung von
Männern und Frauen, die sich der freien Lieben
hingeben – teils bezahlt, teils unbezahlt.“

Der dieses Bonmot aus seiner berühmten Stilblütensammlung von Bibel bis Kabarett
ausgegraben hatte, war kein Zyniker oder Komiker, sondern Deutschlands
Staatsoberhaupt, der aus dem Bergischen Land (Wuppertal) stammende Johannes Rau,
Bundespräsident von 1999-2004. Damit erheiterte er die festliche Gesellschaft der „ 2.
Berliner Rotkreuz-Gala“ im Juni 2004 Und darum sei auch hier erlaubt.

Wenn es also dieser Chronik vorangestellt wird, dann, um anzuzeigen: Männer und
Frauen im Roten Kreuz leisten Hilfe in einer fast unvorstellbaren Vielfalt von
Anfordungen,in denen sie oftmals Not, Verzweiflung, Zerstörung und Leid
gegenüberstehen; aber sie widmen sich auch Aufgaben, die unmittelbar dem
Wohlbefinden der Menschen und der Förderung des Miteinanders in unserer
Gesellschaft zugute kommen. Da das Gelingen aller ihrer Einsätze auch auf sie
zurückstrahlt, gewinnen sie selbst Freude aus ihrer „freiwilligen Hingabe an die Liebe
für den Nächsten“ – wie es das in den Scherz gefaßte Wort des obersten Repräsentanten
unseres Landes im Grunde treffend meint. Nicht zuletzt bindet das auch die
Gemeinschaft der Rotkreuzler zusammen – selbst wenn es manchmal durchaus
unterschiedliche Auffassungen über die Art und Weise des Vorgehens gibt.

Anzuregen und abzuwägen, um ein möglichst hohes Ziel zu erreichen, das gehört zur
Verantwortung – besonders auf einem „Feld“, auf dem Männer und Frauen einen hohen
Anteil ihrer Freizeit einbringen, sogar ihre persönliche Freiheit einschränken und
Verzicht auf viele Annehmlichkeiten leisten, wenn sie ihren Kopf, ihre Seele und
oftmals erhebliche Körperkräfte einsetzen – ganz und gar unentgeltlich! – Aber nur die
Einigkeit und Zuverlässigkeit machen stark. Darum sei der Chronik die Devise von
Peter Schumacher vorangestellt, der Mitbegründer und lange Zeit der erste Vorsitzende
der vor 100 Jahren gegründeten Sanitätskolonne Bergisch Gladbach war, auf die das
Centenarium dieses Jahres 2005 sich beruft.

Sein Wort gilt seither bis heute:

Der Eintritt ist freiwillig,
der Austritt ist freiwillig.
Was dazwischen liegt,
ist Pflicht.


Von der Kaiserzeit in die „Weimarer Republik“

1905 bis 1922: Die Anfangsjahre bis nach dem Ersten Weltkrieg.

Bergisch Gladbach, dem 1856 dank seiner wirtschaftlich-industriellen Stärke die
Rheinische Städteordnung verliehen worden war, gehörte 1905 als kreisangehörige
Stadt zum Landkreis Mülheim am Rhein. Mit dem übrigen Bergischen Land und dem
heutigen Landesteil Nordrhein lag sie in der Rheinprovinz mit dem Sitz in Koblenz am
Land Preußen.
Selbst als 1914 die Stadt Mülheim als ein Stadtteil nach Köln eingemeindet worden
war, also weder Kreisstadt noch kreisangehörige Gemeinde blieb, behielt die
Verwaltung des immer noch nach ihr genannten östlich angrenzenden Landkreises ihre
Sitz in der Kölner Nachbarschaft. Das änderte sich erst, nachdem im Zuge der großen
Gebietsreformen der Weimarer Zeit zum 1. Oktober 1932 aus dem Restkreis Mülheim
am Rhein und dem damaligen Kreis Wipperfürth der neue Rheinisch Bergische Kreis
gebildet worden war. Dieser reichte nun von Porz am Rhein bis an die westfälische
Grenze hinter Wipperfürth. Bergisch Gladbach, schon Jahre vorher zur Kreisstadt
bestimmt, mußte allerdings bis 1933 warten, als endlich durch den Kauf der heutigen
„Villa Zanders“ das Verwaltungszentrum des neuen Kreise in seine Mitte verlegt
werden konnte.

Die kommunalen Verhältnisse hatten erhebliche Auswirkungen auf das Rote Kreuz.
Dies ist zum Verständnis des jeweils unterschiedlichen Beziehungen des Bergisch
Gladbacher Roten Kreuzes zu den Organisation und Institutionen in sehr verschiedenen
Himmelsrichtungen wichtig. So ist über 25 Jahre hinweg von den Verbindungen nach
(Köln-) Mülheim die Rede, vom Merheim, Porz, Heumar und Wahn, die damals zum
rechtsrheinischen Kreisgebiet gehörten. Nach 1932 orientierten sich der Kreis nach
Osten – nur 42 Jahre lang – bis zur erneuten Kommunalen Neugliederung zum 1. Januar
1975, als er wiederum eine völlig andere Gestalt erhielt. Seitdem ist er um den Süden
(Stadt Porz mit 18 km Rheingrenze und dem Flughafen Köln-Wahn) und das halbe
Kreisgebiet im Osten (Wipperfürth/Klüppelberg, Lindlar und Engelskirchen)
beschnitten, im Norden um die Städte Leichlingen, Burscheid und Wermelskirchen aus
dem ehemaligen Rhein-Wupper-Kreis ergänzt worden. Diese geographischen

Veränderungen spiegeln sich auch in der Rotkreuzgeschichte des Bergischen Landes im
20. Jahrhundert und sind beim Lesen der Ereignisse zu berücksichtigen.

Kontakt

DRK Ortsverein
Bergisch Gladbach e.V.
Jakobstraße 105
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 21685
Fax: 02202 22138
info@12023695ae57477a8a6d1f16849cefd8drk-ovgl.de

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